US-Import nach Deutschland: TÜV, Zoll und H-Kennzeichen erklärt
Wer einen amerikanischen Klassiker aus den USA importieren möchte, steht vor einem Berg an Vorschriften. Wir erklären den vollständigen Ablauf – von der Auswahl bis zum deutschen Kennzeichen.

Warum US-Import?
Die USA sind nach wie vor der größte Markt für klassische amerikanische Fahrzeuge. Das Angebot ist enorm, die Preise oft günstiger als in Europa, und vor allem: viele Fahrzeuge wurden in Kalifornien, Arizona oder Texas gefahren und sind dank trockenem Klima rostfrei. Ein gepflegter Mustang aus dem Mittleren Westen wird in Deutschland kaum zu vergleichbaren Preisen zu finden sein.
Aber: Der Import will gut geplant sein. Vermeintliche Schnäppchen werden schnell teuer, wenn man die Folgekosten unterschätzt.
Schritt 1: Das richtige Fahrzeug finden
Der Fahrzeugkauf erfolgt entweder über spezialisierte Auktionsplattformen (Bring a Trailer, Hemmings, Mecum), über Händlernetze oder direkt vom Vorbesitzer. Wir empfehlen dringend, niemals ein Fahrzeug zu kaufen, das nicht persönlich oder durch einen qualifizierten Inspekteur vor Ort begutachtet wurde.
Eine professionelle Pre-Purchase-Inspection kostet 300 bis 600 USD und kann Ihnen 20.000 Euro Folgekosten ersparen. Sie umfasst:
- Vollständige Karosserieprüfung auf Unfallschäden und Korrosion
- Motortest mit Druck- und Leistungsmessung
- Fahrwerkscheck inkl. Achsvermessung
- Prüfung der Fahrzeugnummern auf Übereinstimmung mit den Papieren
- Recherche der Fahrzeughistorie (Carfax, AutoCheck)
Schritt 2: Verschiffung
Für die Verschiffung gibt es zwei Optionen:
RoRo (Roll on Roll off): Das Fahrzeug rollt selbst auf ein Spezialschiff. Günstigste Variante (700 – 1.200 USD pro Fahrzeug), aber das Auto steht offen an Deck.
Container: Das Fahrzeug wird in einen 20- oder 40-Fuß-Container geladen, oft mit ein bis zwei weiteren Fahrzeugen. Sicher gegen Witterung und Diebstahl, kostet aber 1.500 bis 3.000 USD.
Für wertvolle Klassiker empfehlen wir den Container. Die Transportzeit beträgt je nach Hafen 3 bis 6 Wochen.
Schritt 3: Zollabwicklung in Deutschland
Im Zielhafen (meist Bremerhaven oder Hamburg) erfolgt die Zollabwicklung. Die Kosten setzen sich zusammen aus:
- Einfuhrzoll: 10 % bei Fahrzeugen jünger als 30 Jahre, 0 % bei Oldtimern über 30 Jahre (mit Nachweis als „Sammlerstück" nach Zolltarif 9705)
- Einfuhrumsatzsteuer: 19 % auf Kaufpreis + Transport + Zoll. Bei Oldtimern reduziert sich diese auf 7 %, wenn das Fahrzeug als historisches Sammlerstück anerkannt wird.
- Hafenkosten: ca. 250 – 400 Euro
Ein Zollagent (Spedition) ist hier praktisch unverzichtbar.
Schritt 4: Vollabnahme nach §21 StVZO
Jetzt wird es technisch. Jedes importierte Fahrzeug ohne EG-Übereinstimmungsbescheinigung muss eine Vollabnahme bei TÜV oder DEKRA durchlaufen. Geprüft werden u.a.:
- Lichtanlage (US-Scheinwerfer haben oft andere Lichtbilder als ECE-konforme)
- Bremsanlage inklusive Bremsbalance
- Reifen und Räder (DOT-Reifen müssen E-Kennzeichnung erhalten oder getauscht werden)
- Auspuffanlage (Geräusch- und Abgaswerte)
- Tachoumstellung von mph auf km/h (oder zweiter Skala)
- Blinker (bei US-Fahrzeugen oft rot statt orange – Umrüstung nötig)
- Nebelschlussleuchte (in Deutschland Pflicht)
Die Kosten für die Vollabnahme liegen zwischen 500 und 1.200 Euro – ohne notwendige Umbauten. Diese müssen ggf. zusätzlich kalkuliert werden.
Schritt 5: Das H-Kennzeichen
Ist das Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt, kann das begehrte H-Kennzeichen beantragt werden. Voraussetzungen:
- Fahrzeug muss mindestens 30 Jahre alt sein (Erstzulassung zählt)
- Erhaltungszustand entsprechend Pflegezustand 2 oder besser
- Originalität – größere Umbauten müssen zeitgenössisch sein
- Gutachten nach §23 StVZO durch TÜV oder DEKRA
Vorteile des H-Kennzeichens:
- Pauschale Kfz-Steuer (191,73 € pro Jahr für PKW)
- Befreiung von Umweltzonen
- Reduzierte Versicherungsprämien (Oldtimer-Tarife)
- Wertsteigerung des Fahrzeugs durch offizielle Anerkennung
Realistische Gesamtkalkulation
Für einen Bel Air aus Kalifornien, Kaufpreis 25.000 USD, ergibt sich folgende Beispielrechnung:
- Kaufpreis: 25.000 USD ≈ 23.000 €
- Transport USA → Bremerhaven (Container, geteilt): 2.000 €
- Einfuhrzoll (Oldtimer): 0 €
- Einfuhrumsatzsteuer (7 %): 1.750 €
- Hafen- & Speditionskosten: 600 €
- Vollabnahme + ggf. Umbauten: 1.500 €
- Gutachten H-Kennzeichen: 250 €
- Zulassung: 50 €
- Gesamt: ca. 29.150 €
Dazu kommen ggf. Kosten für Korrekturen am Fahrzeug, die bei der Vollabnahme auffallen.
Unser Service
Wir begleiten Import und Zulassung als Komplettservice – von der Fahrzeugsuche in den USA über Verschiffung, Zoll und Vollabnahme bis zum H-Kennzeichen. Sie bekommen ein einsatzbereites, deutsch zugelassenes Fahrzeug ohne Behördenfrust. Sprechen Sie uns an.
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